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Die Alpen sind natürlich ein faszinierendes Gebirge. Seit langem träume ich von einer Überquerung der Alpen zu Fuß, hatte aber nie Gelegenheit dazu. Im Sommer 2010 also zumindest die Chance, mit meiner Freundin ein paar Tage die Voralpen des Chiemgau zu erobern! Wir haben effektiv vier Tage, um mit dem Zelt auf dem Rücken durch die traumhafte Landschaft zu wandern.
Unser Weg startet in Marquartstein unweit des Chiemsees und soll uns nach Osten über Hochgern (1.748m) und Hochfelln (1.674m) führen, und dann nach Süden an die Hörndlwand (1.684m). Die traumhafte Landschaft empfängt uns Anfang August mit eineinhalb Tagen strömendem Regen, an den wir uns erst gewöhnen müssen. Der Aufstieg am Schnappenberg vorbei ist trotzdem wundervoll und weil es schnell spät wird, entscheiden wir uns, die erste Nacht in den Schlafhütte des eigentlich geschlossenen Hochgernhauses. Das trockene Dach über dem Kopf kommt uns eigentlich ganz recht.
Tag 2 sorgt noch einmal für Feuchtigkeit von oben (Regen) sowie von unten (nasses Gras). Der kleine Pfad, der auf den Gipfel führt schlängelt sich gemütlich immer weiter, bis wir am späten Vormittag auf dem Hochgern ankommen, und versuchen, durch die vielen schnellziehenden Wolken die schöne Aussicht zu erahnen.
Wir steigen schnell wieder ab und kommen dabei immer wieder unter Regenschauer. Auf der Südseite führt uns ein winziger Trampelpfad steil auf großen Wiesen hinab. Unten in der Talsenke zwischen Hochgern und Hochfelln essen wir ein paar Riegel zur Stärkung und als wir das Schild "Hochfelln-Gipfel: 2,5 Stunden" erblicken, machen wir uns voller Frohsinn auf den Weg dorthin. Es ist 15 Uhr.
Das war nur ein bedingt gute Idee, auf dem Weg nach oben findest sich kein einziges Plätzchen, das sich dazu eignen würde, unser Zelt aufzustellen. Wir müssen also ganz hoch, wenn wir nicht mehr zurück wollen. Gegen 18:30 Uhr erreichen wir den Gipfel bei dickem Nebel, starkem Wind und Nieselregen. Etwas mulmig ist uns zumute, aber die Gebäude auf dem Hochfelln (Kapelle, Seilbahn, Restaurant) machen uns Mut obwohl sie alle geschlossen sind und kein Mensch zu sehen ist (just in diesem Moment ruft mich eine Brüssler Beratungsfirma an und bietet mir den Job, auf den ich mich die Woche zuvor beworben hatte :-)).
Weil es dunkel wird, entscheiden wir uns, auf dem Hochfelln zu übernachten und stellen unser Zelt an eine windgeschützte Stelle. Als wir am nächsten Morgen um 7 auf den Beinen stehen, blicken wir bei strahlendem Sonnenschein von oben auf eine fantastisch geschlossene Wolkendecke ins Tal. Wir waren gut beraten früh aufzustehen, denn schon bald sind die ersten Wanderer unterwegs. Wir machen uns ab nach Südosten auf den Weg nach unten, um den per Seilbahn hochströmenden Rentnermassen zu entgehen, und freuen uns, endlich gutes Wetter zu haben.
Den 3. Tag wandern wir hauptsächlich im Tal, immer am Flüsschen Gruttau entlang. Oberhalb von Urschlau gönnen wir uns in einer typisch bayerischen Landgaststätte etwas zu essen, bevor wir uns weiter den Fluss hinunter nach Süden den Berg hinaufschlagen. Unser Ziel ist die schroffe Hörndlwand, die man - wie wir hörten - auf einem für geübte Geher wundervollen Steig erreichen kann. Obwohl wir geübt sind sei hier dennoch eine Warnung ausgesprochen: An der Hörndlwand verliert man schnell den Weg aus den Augen... insgesamt eine zu 100% empfehlenswerte Wanderung für Nichtbergsteiger! |