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Im Juli 2000 sind mein Bruder und ich mit dem Rad vom schwedischen Trelleborg gestartet, und über Malmö und Norrköping nach Stockholm, und dann quer durchs Land nach Göteborg gefahren. In rund einem Monat haben wir gemütlich 1.600 Kilometer zurückgelegt, und dabei einen wunderbaren Einblick in die Wälder, Dörfer und Städte Südschwedens erhalten. Wir durften vom schwedischen Jedermannsrecht Gebrauch machen, und die allegmeine Gastfreundschaft des Landes genießen...
Weil ich versäumt habe gleich nach der Reise einen Bericht zu schreiben, fehlen mit heute leider viele Erinnerungen. Deswegen nur folgendes zu dieser Reise:
Nach der Zugfahrt nach Travemünde sind wir Anfang Juli mit der Fähre nach Trelleborg übergesetzt. Von hier aus konnten wir uns den Schlenker über die Küstenstadt Malmö nicht verkneifen, bevor wir gen Osten und dann an der Küste hinauf geradelt sind. Das stellte sich aber schnell als eine nicht so kluge Idee heraus: Das Rein- und Rausfahren in größere Städte ist stets ein enromer Aufwand, und der Mehrwert für den nach ruhiger Natur lechtzenden Radler ist begrenzt.
Das tolle an Schweden ist, dass man einerseits noch unberührte Natur "en masse" vorfindet, man also stundenlang radeln kann, ohne einer Siedlung zu begegenen, sich aber gleichzeitig in einem Industrieland befindet, in dem kaum Versorgungsschwierigkeiten auftreten. Man findet also sehr einfach abgelegene Stellen zum Übernachten, und kann dich dennoch erlauben, die Radtaschen mit Leckerein wie Rühreiern, Bananen oder Frischkäse zu beladen. :-)
Sollte dies einmal nicht der Fall sein, kommt die Gastfreundschaft ins Spiel: Wir hatten eines Tages bereits rund 80 Kilometer zurückgelegt, es regnete fast ununterbrochen. Es ging auf den Abend zu und langsam wurde es duster. Um uns herum bestand die Landschaft nur aus matschigen Feldern, frisch umgepflügt, und aus dichten Nadelwäldern. Kein Felckchen Erde zum Zelten. Als wir an einem einsamen Hof mit frisch gemähtem Rasen im Vorgarten vorbeifuhren, haben wir nicht lange gefackelt und einfach geklingelt. Wir dachten "Vielleicht lassen sie uns ja in ihrem Vorgarten zelten, wenn wir versprechen morgen bei Sonnenaufgang zu verschwinden."
Die Tür öffnete eine schlanke Frau mittleren Alters. Wir: "Hello" - "We are cyclers from Germany and are desperately looking for a place to put our tent. Would you mind if we used your garden", oder so ähnlich. Ich erinnere mich, dass wir ziemlich verunsichert waren. Die Dame sagt kurzerhand ja und bietet uns noch an, den Wasserhahn hinterm Haus zu benutzen. Sie will gerade wieder ins Haus verschwinden, da hält sie inne, dreht sich um und meint, wir könnten das Zelt ja auch im Schuppen aufbauen, da sei es trocken und warm. Glücklich lassen wir uns von ihrem Ehemann den Schuppen zeigen, in dem der Boden mit frischem Heu belegt ist. Als der Mann zurück zum Haus gehen will, fügt er wie beiläufig an: "And don't be late for breakfast tomorrow - and bring your towels, if you wanna take a shower!"
Letztendlich haben wir nach einer wunderbar weichen Nacht im Stroh noch den halben nächsten Tag mit der Familie verbracht, nach einem ausgiebigen Brunch mit Rührei und Speck noch ihren Kindern beim Reiten zugesehen und den alten Windows 3.11-PC repariert. Wir waren überwältigt von Schweden und seinen Leuten!
Dass sich Schweden mit dem Fahrrad lohnt ist bekannt. Dass das Land so viel Natur, Freundlichkeit und Radlerinfrastruktur zu bieten hat, hat mich positiv überrascht. Wie genail es wirklich ist, erfahre ich wohl erst, wenn ich das nächste mal von Stockholm aus gen Norden fahre! |